Die Abwärtsspirale

6 Okt. 2021 | Über die Sucht

Was ist Sucht?

Eine Sucht / Abhängigkeit ist eine medizinisch anerkannte Erkrankung1, die durch ein zwanghaftes Verhalten gekennzeichnet ist, dessen Ziel es ist, einen bestimmten Gefühlszustand oder ein bestimmtes Erlebnis herbeizuführen. Jemand der in eine Abhängigkeit geraten ist, verlor also in einem i.d.R. schleichenden Prozess die Kontrolle über sein Verlangen. Viele Süchtige berichten von einem unstillbaren Bedürfnis, dem sie sich ausgesetzt fühlen, dem sogenannten Suchtdruck.

Was für Süchte gibt es?

Man unterscheidet stoffgebundene Süchte von stoffungebundenen Süchten:

  • Stoffgebundene Süchte bezeichnen Abhängigkeiten, die durch den Missbrauch einer Substanz, eines Rauschmittels, gekennzeichnet sind (bspw. Alkohol, Nikotin, Schmerz- und Beruhigungsmittel oder illegale Drogen).
  • Stoffungebundene Süchte sind durch Handlungen definiert (zum Beispiel Mager-, Spiel-, Sammel-, Arbeits-, oder Internetsucht).

Mögliche Folgen von Sucht sind nicht nur weitreichende körperliche, psychische, sondern auch soziale und gesellschaftliche Probleme und Schädigungen.

Wo ist die Grenze zwischen gemäßigtem Konsum und Sucht?

Die Grenzen zwischen Genuss, Gewohnheit, Missbrauch und Sucht verlaufen fließend. Daher kann eine Abhängigkeit häufig erst spät erkannt werden. Im Zweifelsfall gilt es sich an eine Fachperson zu wenden, die eine Abhängigkeit eindeutig und frühzeitig erkennen kann. Nichtsdestotrotz gibt es Anhaltspunkte, die auf süchtiges Verhalten hinweisen können.

Um eine Sucht zu diagnostizieren, müssen mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein: 2

  • Ein zwanghaftes Verlangen, ein starker Wunsch zum Konsum.
  • Verminderung der Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Substanzkonsums.
  • Konsum zur Milderung von körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen.
  • Toleranzentwicklung – Es werden höhere Dosen erforderlich um die gewünschte Wirkung zu erzielen.    
  • Der Rausch nimmt eine immer zentralere Rolle im Leben des Betroffenen ein. Die Person beginnt sein Leben um die Substanz herum zu organisieren.        
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums.
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz nachgewiesener, eindeutig schädlicher Folgen.

Der biologische Wirkmechanismus der Abhängigkeit – Wie funktioniert Sucht? Warum werden Menschen süchtig?

Das Belohnungszentrum im Gehirn reagiert auf positive Erlebnisse und Reize. Es sorgt durch die Freisetzung von Botenstoffen, im speziellen Dopamin, dafür, dass sich Tätigkeiten, wie zum Beispiel Nahrung zu sich zu nehmen, gut anfühlen und wir die Motivation erlangen, diese Dinge fortzuführen und zu wiederholen. Alkohol und andere Drogen sorgen im Belohnungssystem für eine weit größere Dopamin-Ausschüttung, als die von gewöhnlichen positiven Erlebnissen. Die Folge ist ein Bedürfnis diesen Konsum zu wiederholen. Die Gefahr hierbei ist, dass Suchtmittel sowohl als Abkürzung zum Glücksgefühl, aber auch als Ausweg aus negativen Emotionen dienen können.

Bei regelmäßigem Gebrauch von Rauschmitteln beginnt das Gehirn sich umzustrukturieren und sich schließlich der erhöhten Dopaminzufuhr anzupassen.
Die Dosis muss erhöht werden, um ein Niveau zu erreichen, das dem Normalzustand ähnelt. Der Konsument erlebt Entzugserscheinungen. 3

Ursachen für die Sucht – Risikofaktoren und Prävention

Abhängigkeiten kann man als eine Art der bio-psycho-sozialen Erkrankungen 4 betrachten. Das bedeutet, dass die Krankheit sowohl körperliche, seelische, als auch soziale Ursachen für den Betroffenen haben kann. Es werden also alle Bereiche des Menschseins durch das Rauschmittel angesprochen und angegriffen.

Gerade dies macht es schwer der Sucht einen typischen Verlauf und eine typische Ursache zu geben, da die Gründe in jedem der angesprochenen Lebensbereiche auftreten können und sehr vielfältig sind. 
Prinzipiell ergibt sich eine mögliche Sucht nicht selten in einem Spannungsfeld aus Mensch, Milieu und Mittel: 5

  • Mensch bezieht sich auf persönliche Faktoren – bspw. einer genetischen Disposition oder ungünstigen frühkindlichen Lebenssituationen.    
           
  • Mittel meint das Rauschmittel – dessen Verfügbarkeit, Art, Wirkungsweise und Dauer / Intensität der Einnahme eine wichtige Rolle spielen
       
  • Milieu bezeichnet Umwelt-Faktoren in gesellschaftlicher und sozialer Hinsicht – bspw. Suchtbelastung in der Familie, gefährdende Konkurrenz- / Leistungssituation oder ein Mangel an Zukunftsperspektive.

Das tückische an der Sucht – Die Suchtspirale

Bei der ausgeprägten Sucht handelt es sich gefährlicherweise um einen Teufelskreis, der gleichzeitig eine Abwärtsspirale ist. Die abhängige Person versucht die negativen Emotionen, die durch die Entzugserscheinungen hervorgerufen werden, mit dem Suchtmittel zu bekämpfen, das für eben jene Entzugserscheinungen sorgt. Die Steigerung der Toleranz gegenüber der Substanz, aber auch das Gefühl von Scham und Versagen, das mit dem weiteren Konsum einhergeht, verschlimmert das Verlangen.

Ein Abhängiger, der keine geeigneten Strategien besitzt, sich aus diesem Teufelskreis zu lösen, versinkt demzufolge immer tiefer in der Abhängigkeit. Das geht soweit, dass der Konsum schließlich nicht nur den Alltag, sondern auch das Wesen der Person prägt und verändert.

Das Kritische daran ist, dass der Abhängige diesen Prozess selbst nur langsam und oftmals zu spät bemerkt und sich, selbst wenn Einsicht einkehrt, nur sehr schwer aus dieser Spirale lösen kann. Zur Früherkennung von Sucht gehört daher ein waches und achtsames soziales Umfeld, das sich behutsam dem sich daraus ergebenden Konflikt stellt. Besonderes Augenmerk liegt hier bei häufig frequentierten Orten bspw. im familiären Kreis, bei Freunden oder bei der Arbeit. 6

1: https://www.sprechzimmer.ch/Fokus/Alkoholabhaengigkeit/
2: www.integrationsaemter.de/Fachlexikon/Suchtkrankheiten/77c366i1p/index.html
3: https://www.kenn-dein-limit.info/gewoehnung-an-alkohol.html
4: https://www.fachklinik-schoenau.de/therapiekonzept/suchtverstaendnis.html
5: https://psych.ch/grund-und-spezialversorgung/behandlungsqualitaet/bio-psycho-soziales-modell
6: https://lehrerfortbildung-bw.de/u_matnatech/bio/gym/bp2016/fb8/4_info/3_sucht/4_ursachen/

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